07.05.2026, Dr. Luzius Neubert, Pascal Bur
Die Antwort ist einfach: Ja. Doch dazu darf man sich weder von einer unsteten geopolitischen Lage noch von der Vielfalt an Anlageprodukten ablenken lassen. Wie es gelingt, ohne viel Aufwand und zu niedrigen Kosten erfolgreich anzulegen, zeigt dieser Beitrag.
Professionelle Anleger folgen einem klaren Anlageprozess. An diesem können sich auch Privatanleger orientieren – und zwar unabhängig davon, ob es um 100’000 Franken oder 100 Millionen Franken geht. Unterschiede gibt es in der Komplexität der Strategie und im Aufwand, den man für die einzelnen Schritte betreibt.
Schritt 1: Eine Anlagestrategie definieren
Weshalb braucht es eine Anlagestrategie?
Als Anlagestrategie wird die Aufteilung des Vermögens auf einzelne Anlagekategorien (Obligationen CHF, Aktien Welt, Immobilien Schweiz, Beteiligungen etc.). Deren Gewicht legt man so fest, dass man als Anleger unabhängig von der geopolitischen Lage über Jahre daran festhalten kann und genügend damit verdient.
Eine Anlagestrategie braucht es deshalb, weil kurzfristige Prognosen an den Finanzmärkten kaum möglich sind und nur eine langfristig weitgehend konstante Vermögensaufteilung zum Erfolg führt.
Die Anlagestrategie wird für die Gesamtheit aller Vermögenswerte definiert, die der Renditeerzielung dienen (Wertschriften, Renditeimmobilien, Beteiligungen etc.). Vermögenswerte ohne Renditefokus (eigenes Wohnhaus, Ferienhäuser, Autos, Kunst etc.) werden vernachlässigt.
Wovon sollte die Strategie abhängen?
Eine wichtige Grundlage für die Anlagestrategie ist die benötigte Rendite (Zielrendite). Um diese zu ermitteln, setzt man die ungedeckten künftigen Ausgaben (Lebenshaltungskosten, Steuern, Inflation etc. abzüglich Arbeits- und Renteneinkommen sowie geplantem Kapitalverzehr) ins Verhältnis zum aktuellen Vermögen.
Ebenso zentral sind Risikofähigkeit und Risikobereitschaft des Anlegers. Für erstere sind unter anderem das zu erhaltende Vermögen sowie der Anlagehorizont relevant. Letztere lässt sich aus dem Fachwissen, der Erfahrung und der «Nervenstärke» des Anlegers ableiten.
Die erwartete Rendite der Strategie sollte die Zielrendite übertreffen und die Risikofähigkeit und ‑bereitschaft nicht überstrapazieren. Eine gute Strategie setzt sich aus mehreren verschiedenen Anlagekategorien zusammen. So werden Klumpenrisiken vermieden und die Verlustgefahr eingedämmt. Auch die Handelbarkeit und die Verfügbarkeit von effizienten Anlageprodukten gilt es zu berücksichtigen.
Wie legt man eine Anlagestrategie fest?
Um eine Strategie auszuwählen, vergleicht man meist mehrere Strategievarianten anhand von Kennzahlen wie erwarteter Rendite und Risiko (Volatilität).
Zur besseren Illustration der Risiken bietet es sich an aufzuzeigen, welcher Verlust in einer schweren Krise (wie der Subprime-Krise von 2007 bis 2009) resultiert hätte. So lässt sich feststellen, ob ein Anleger bereit ist, diese Strategie auch in schlechten Zeiten durchzuhalten.
Schliesslich wird die gewählte Strategie mit Bandbreiten (minimaler bzw. maximaler Anteil einer Anlagekategorie) und Benchmarks ergänzt (spezifischer Vergleichsindex zur Renditemessung).
⯈ Strategieberechnungen sind mit samt den nötigen Rendite-/Risiko-Annahmen bei Banken, Vermögensverwaltern und im Internet kostenlos erhältlich. Diese Anbieter können allerdings auch andere Interessen verfolgen. Indem sie die Rendite-/Risikoannahmen bestimmen, entscheiden sie mit, worin jemand investiert (z.B. in Anlagen, auf denen überdurchschnittliche Gebühren anfallen). Zu bevorzugen ist deshalb eine unabhängige, kostenpflichtige Strategieberatung von einem Anbieter, der nicht gleichzeitig Vermögensverwalter ist.
Schritt 2: Eine effiziente Umsetzung festlegen
Bevor man zur Auswahl von Vermögensverwaltern schreitet, gilt es die Umsetzung der Anlagestrategie festzulegen.
Dabei gilt es einerseits zu entscheiden, wie stark man als Anleger in die Vermögensverwaltung involviert sein möchte:
— Mandatserteilung an eine Bank vs. Kauf von Kollektivanlagen in Eigenregie[1]?
— Externer Investment Controller für die Überwachung (Vermögensstruktur, taktische Bandbreiten, Performance, Gebühren, Vermögensverwalter bzw. Kollektivanlagen)?
Andererseits muss die Mandatsstruktur festgelegt werden:
— Mandatstyp: Gemischtes Mandat (mehrere Anlagekategorien in einem Mandat) oder Kategorienmandate (eine Anlagekategorie pro Mandat).
— Aktiv vs. passiv (indexiert): Mit einer aktiven Umsetzung soll der Vergleichsindex übertroffen, mit einer passiven der Vergleichsindex kosteneffizient nachgebildet werden.
— Anzahl Mandate: Wie viele verschiedene Vermögensverwalter sollen mit der Vermögensverwaltung beauftragt werden?
— Nachhaltigkeit: Soll die Vermögensverwaltung Umwelt‑, Gesellschafts- und Governance-Aspekte speziell berücksichtigen?
Diese Umsetzungsfragen haben neben der Strategie den zweitgrössten Effekt auf Rendite, Risiko und Gebühren der Vermögensverwaltung. Erst wenn sie geklärt sind, kann eine gezielte Mandatsausschreibung erfolgen.
⯈ Insbesondere für Privatanleger mit einem Vermögen unter CHF 10 Mio., lohnt es sich, stark auf niedrige Vermögensverwaltungskosten und eine strategienahe Umsetzung zu achten. Indexierte gemischte Mandate oder indexierte Fonds stehen deshalb im Vordergrund.
[1] Die Auswahl von Einzeltiteln durch Privatanleger empfiehlt sich wegen fehlender Diversifikation nicht.
Schritt 3: Den passenden Vermögensverwalter auswählen
Um einen geeigneten Vermögensverwalter oder ein Anlageprodukt auszuwählen, wird meist eine Ausschreibung durchgeführt. Vor dem Start der Ausschreibung müssen Strategie und Umsetzung (s. oben) bereits bekannt sein und basierend darauf Mandatsrichtlinien ausgearbeitet werden.
Die Frage, ob die Private Banking oder die Asset Management Einheit eines bestimmten Instituts angeschrieben wird, ist häufig zentral. Während im Private Banking die persönliche Beziehung zum Kundenberater im Vordergrund steht und selten detaillierte Richtlinien vereinbart oder ein spezifisches Reporting mit Benchmarking erstellt werden, sind Anlagelösungen im Asset Management meist günstiger, professioneller, aber weniger persönlich.
Eine Ausschreibung erfolgt häufig zusammen mit einem Consultant, und zwar in folgenden Schritten:
— Marktscreen: Verschafft einem einen Überblick über die verfügbaren Anbieter und ermöglicht eine erste Auswahl geeigneter Kandidaten.
— Ausschreibung: Die am besten geeigneten Vermögensverwalter werden unter Angabe der Mandatsrichtlinien angeschrieben und gebeten, im Rahmen ihrer Offerte einen Fragenkatalog einzureichen. Die Offerten werden anhand objektiver Kriterien ausgewertet und die Resultate besprochen.
— Offertpräsentation: Die Kandidaten mit den besten Angeboten werden zu einer Offertpräsentation eingeladen. Im persönlichen Treffen lernt der Anleger die potenziellen Betreuer kennen, kann letzte Fragen klären und sich anschliessend für einen Anbieter entscheiden.
— Verhandlungen: Nach dem Entscheid wird der Vermögensverwaltungsvertrag ausgearbeitet und der Vermögensübertrag (Transition) geplant.
⯈ Die richtige Auswahl des Vermögensverwalters ist – neben Strategie und Umsetzung – ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer professionellen Vermögensverwaltung. Es genügt nicht, einfach mehrere Banken oder Vermögensverwalter einzuladen. Um die Offerten vergleichen zu können, müssen sie auf der gleichen Strategie und Umsetzung basieren. Zudem muss sichergestellt sein, dass die Anbieter auf die ausgeschriebene Anlagelösung (z.B. indexierte gemischte Mandate oder nachhaltige Anlagen) spezialisiert sind.
Schritt 4: Die Anlagen überwachen (Investment Controlling)
Sobald das Vermögen investiert ist, empfiehlt sich ein periodisches Investment Controlling. In einem unabhängigen, z.B. quartalsweisen Bericht beantwortet der Investment Controller Fragen wie:
— Strategiekonformität: Hält sich der Vermögensverwalter an die Anlagestrategie (Einhaltung taktische Bandbreiten)?
— Performancemessung: Sind nur die Märkte schlecht oder liegt es auch am Vermögensverwalter (Benchmarking)?
— Peer Group-Vergleich: Wie hat man im Vergleich mit anderen Anlegern abgeschnitten?
— Gebühren: Sind die Gebühren marktkonform und sind sie seit der Ausschreibung gestiegen (z.B. durch den Einsatz unerwünschter Kollektivanlagen)?
— Stabilität des Vermögensverwalters: Gibt es beim beauftragten Institut Veränderungen (z.B. Weggang eines wichtigen Teams)?
⯈ Diese und zahlreiche weitere Themen deckt der Investment Controlling-Bericht ab. Mögliche Massnahmen werden gemeinsam mit dem Anleger besprochen.
Quick Check: Lege ich bereits professionell an?
— Orientiert sich mein Portfolio an einer bestimmten Anlagestrategie (Vermögensaufteilung)?
— Weiss ich, mit welchem Verlust ich in einer Krise rechnen muss?
— Haben allfällige aktiv bewirtschaftete Fonds und strukturierte Produkte in meinem Portfolio einen Mehrwert geschaffen?
— Kenne ich meine Vermögensverwaltungskosten (Depotgebühren, Transaktionskosten, Verwaltungsgebühren, Fondsgebühren, etc.)?
— Habe ich mehrere Angebote eingeholt, als ich meine Bank/meinen Vermögensverwalter ausgewählt habe?
— Kenne ich die tatsächlich erzielte Rendite meines Portfolios und verfüge ich über einen Vergleichsindex (Benchmark), der auf meine Strategie zugeschnitten ist?